Braunkohle: Arbeitsplatzfrage geht am Problem vorbei!

Studie der Grünen zu Kohle-Arbeitsplätzen geht am Problem vorbei – Grund gegen den Blitzausstieg ist Energieversorgung

Die Grünen betreiben derzeit auf besondere Weise Wahlkampf. Eine von der eigenen Bundestagsfraktion in Auftrag gegebene Studie soll anhand der Zahl der direkten und indirekten Arbeitsplätze belegen, dass Braunkohle keine wirtschaftliche Bedeutung mehr hat. Impliziert werden soll damit, dass die Braunkohle ohne große Verwerfungen auf dem Arbeitsmarkt abgeschaltet werden kann. Damit soll den Forderungen der Grünen im laufenden Bundestags-Wahlkampf nach einem vorzeitigen Ausstieg aus der Braunkohle der Anstrich von Realismus verpasst werden. Zitat aus dem Entwurf des Bundestagswahlprogramms der Grünen: „[...] werden wir unverzüglich die 20 dreckigsten Kohlekraftwerke vom Netz nehmen [...]“. (Entwurf des Bundestagswahlprogramms der Grünen, UK-KS-01: Wir machen Deutschland zum Vorreiter beim Klimaschutz, Seite 2, Zeile 57) 

Leider lenkt die Debatte um die direkten und indirekten Arbeitsplätze vom eigentlichen wirtschaftlichen Problem des Kohle-Ausstiegs ab. Denn solange keine anderen ausreichenden steuerbaren Kraftwerkskapazitäten errichtet sind, wäre der Ausstieg aus der Braunkohle ökonomischer Selbstmord. Die extrem windkraftlastige Stromversorgung in der Region Berlin-Brandenburg und in ganz Ostdeutschland würde ohne Braunkohle nur noch funktionieren, wenn gerade ein Sturmtief durchzieht. Selbst wenn die Sonne mittags besonders kräftig scheint, würden maximal 2.000 MW Ertrag von den Photovoltaik-Anlagen Berlins und Brandenburgs allein nicht einmal an Sonn- und Feiertagen reichen, den Strombedarf von ca. 4.000 MW zu decken – ganz zu schweigen vom noch deutlich höheren Stromverbrauch an Werktagen, wenn alle Fabriken laufen, oder in der Nacht.

Die in der Vergangenheit von den Grünen vorgeschlagenen Speicherkonzepte für windarme Zeiten – von Methanisierung bis Batteriespeicher – würden die Strompreise so weit erhöhen, dass nahezu jeder Industriezweig aus Brandenburg und Deutschland wegziehen würde. (Details hierzu unter „Wo Woidke irrt“ sowie „Unser Energiekonzept Brandenburg 2030“)

Was soll bei Flaute – oder gar Dunkelflaute – als Stromversorger einspringen? Der Atomausstieg ist beschlossen, bei Biomasse- und Wasserkraft – einschließlich Pumpspeichern – mangelt es an noch nicht genutztem Potential. Und Steinkohle ist nur wenig „sauberer“ als Braunkohle. Das einzige technisch realistische und auch finanzierbare Konzept zum Ersatz der Braunkohle ist daher der Einsatz von Erdgas. Doch auch solche Kraftwerke müssten erst einmal geplant und gebaut werden. Wie unter diesen Voraussetzungen die 20 dreckigsten Kohlekraftwerke „unverzüglich“ ohne Gefährdung der Stromversorgung abgeschaltet werden sollen, müssen die Grünen erst einmal erklären.

Zudem ist der von den Grünen offensichtlich angestrebte „Hau-Ruck“-Ausstieg eine gigantische Verschwendung von Geld und natürlichen Ressourcen. Die drei neuesten Kraftwerksblöcke in der Lausitz stammen aus den Jahren 1998 (Schwarze Pumpe), 2000 und 2012 (jeweils Boxberg). Sie haben also gerade einmal 10 - 38 % ihrer geplanten Lebensdauer hinter sich.

Angesichts der Aussagen der LEAG, am Ende der Lebensdauer der Kraftwerke keine neuen Braunkohlekraftwerke als Ersatz zu bauen, ist ein langfristiger, schrittweiser „organischer“ Ausstieg aus der Braunkohle bis ca. 2050 absehbar. Zu versuchen, diesen ohnehin laufenden Ausstieg unter hohen finanziellen und sozialen Kosten zu beschleunigen, ist überflüssig.

BVB / FREIE WÄHLER bleibt daher bei der bereits seit Jahren vertretenen Position:
Keine vorzeitige Abschaltung der Braunkohlekraftwerke in der Lausitz!

Robert Soyka
Referent für Energieversorgung

Presseecho:
Grüne verwundert über Kritik von Cottbuser IHK - Lasuitzer Rundschau 11.07.2017

 

Studie: Arbeitsplätze in Braunkohleregionen – Entwicklungen in der Lausitz, dem Mitteldeutschen und Rheinischen Revier